Search

Wie ein normaler Mensch Zeit zum Schreiben findet

Dieses Thema beschäftigt mich jeden Tag. Zeitmanagement ist für mich eine dauerhafte Baustelle. Ständig versuche ich, mir alles noch besser einzuteilen. Trotzdem ist es für mich wirklich schwer, jeden Tag Zeit zum Schreiben zu finden.

Damit bin ich auch schon beim Hauptgedanken dieses Posts: Autor zu werden ist eigentlich für jeden normalen Menschen unmöglich. Man muss schon ein eigenartiges Leben führen oder adelig sein. Ererbter Reichtum wäre auch eine gute Grundlage. 

Woher bekommt ein Autorin das Geld zum Leben?

Erraten. Von einem Brotberuf. Wer aber 40 Stunden die Woche arbeitet, hat nur wenig Zeit zum Schreiben. Ideen wollen gehabt werden und Plot-Konzepte ausgearbeitet. Ein Roman schreibt sich nicht von selbst, nicht einmal ein Blog-Beitrag tut das. Schon Kafka litt unter der Doppelbelastung, die durch seine Arbeit als Versicherungsangestellter und sein Schriftsteller-Dasein entstand. Für ihn war es ein „schreckliches Doppelleben„. 

Wie dem auch sei. Es gibt Autorenschutzprogramme, also Stipendien und Preise, die einen Schriftsteller zumindest für eine Zeit die Konzentration auf das Schreiben ermöglichen. Doch die Mehrheit der Autoren wird nicht laufend mit Preisen überschüttet. Auch der Einstieg fällt schwer, denn selbst wenn das Buch geschrieben ist, steht noch ein arbeitsreicher Weg bis zur Veröffentlichung bevor.

Autoren arbeiten jahrelang und wissen nicht, ob ihre Arbeit ihnen jemals etwas einbringt.

Das Problem besteht darin, dass Autor eben kein normaler Beruf ist. Am ehesten könnte man sagen: Ein Schriftsteller ist ein Unternehmer, der unter großem Risiko arbeitet. Denn jeder, der Monate, Jahre oder Jahrzehnte in ein Manuskript steckt, lebt mit dem Risiko, niemals etwas an dieser Arbeit zu verdienen.

Es ist ein Spagat, aber das ist es wert

Auch ich bin so ein normaler Mensch, der vor der scheinbaren Unmöglichkeit des Autoren-Daseins zittert. Neben meiner Arbeit schreibe ich diesen Blog, poste regelmäßig auf Instagram und fast jeden Tag gehe ich mit dem Gedanken ins Bett: Verdammt, schon wieder bin ich bei meinem Romanprojekt kaum weiter gekommen. Wenn das so bleibt wird das noch 10 Jahre dauern. Dieser Gedanke macht mir Angst. Schon so viel Zeit ist vorbeigegangen, ohne dass ich eines meiner großen Schreibprojekte abgeschlossen hätte. Und ohne einen Roman zu schreiben, will ich mein Leben nicht verbringen, ich würde mir ewig Vorwürfe machen.

Zeit zum Schreiben
Man muss sich nicht in die Wüste zurückziehen, um Zeit zum Schreiben zu finden.

Eine Strategie, die auch für normale Menschen funktioniert

Es braucht realistische Ziele. Vor allem aber brauche ich eine Strategie, wie ich trotz stressigen Alltags kontinuierlich weiterkomme und schreibe, egal was passiert. Eine Strategie ist in diesem Sinne etwas Persönliches und muss getestet werden. Mittlerweile habe ich erfahren, dass ich abends kaum noch Willenskraft besitze, um an Roman zu schreiben. Tagsüber arbeite ich. Was bleibt sind die Morgenstunden. Ich setze also alles daran, morgens zwei Stunden lang ungestört zu schreiben oder den Roman zu planen. Auch das funktioniert nicht von selbst. Damit das wirklich passiert, braucht es einen ruhigen Raum ohne Ablenkung. Ich schalte den WLAN-Router während dieser Zeit aus, mache mir einen Tee und setze mich an den leeren Schreibtisch zu meinen Notizen von gestern. Als Einstimmung lese ich den letzten Satz, den ich geschrieben habe und schreibe einfach los. (Mehr Inspiration für deine Schreibroutine.) Jede Woche kontrolliere ich, ob ich meine Schreibziele erreicht habe und wenn nicht, dann überlege ich, warum das so war. Dieser Punkt hilft vor allem in Sachen Motivation.

Fazit

Das Fazit dieser Beobachtungen ist wohl, dass jemand, der als Normalo ein Buch schreiben will, eine heilige Zeit braucht. Eine Zeit, die für alle anderen und alles andere tabu ist. Diesen Freiraum muss man sich, angepasst an die eigenen Lebensumstände, selbst schaffen. So ist das numal als Autor: Alles, was man macht, muss man aus sich selbst schöpfen.

Effi Lind

 

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerkenMerkenMerkenMerkenMerken

11 Comments
  1. Nemeryll

    April 23 16:09

    Ich weiß genau, was du meinst. Erst kürzlich hab ich mir in einem ähnlichen Post Gedanken dazu gemacht. Es fällt mir selbst unheimlich schwer, meinen Traum zu verfolgen, weil ich 40-60 Stunden in der Woche arbeite. Noch dazu habe ich Hobbys, Freunde, Familie und noch andere, private Projekte. Und ich möchte den Roman auch nicht erst in vielen Jahren rausbringen. Ich versuche, mich so gut es geht, zu disziplinieren, regelmäßig zu schreiben und zu plotten, aber erzwingen bringt da meiner Meinung nach auch gar nichts. Ein Lottogewinn wäre was 😉

    • Effi Lind

      April 23 20:49

      😀 Ja, ein Startkapital für Autoren wäre genial. Es ist schon ein eigenartiger „Beruf“, der meist nebenbei funktionieren muss. Aber die meisten Schriftsteller haben wohl den Traum, irgendwann davon zu leben. Der Weg dort hin (falls es wirklich klappen sollte) braucht sehr viel Disziplin und sicher auch Glück. Ich tüftle noch an einer Lösung. 😉

  2. Alex

    April 23 16:59

    Bei meinem ersten Roman hatte ich neben dem Brotberuf nix zu tun. Da konnte ich mich jeden Abend noch hinsetzen und schreiben. Oder zumindest über den Fortlauf grübeln.

    Beim zweiten Roman fällt mir das deutlich schwerer. Freundin, berufsbegleitende Ausbildung und neue Arbeitszeiten, die mich zu unchristlicher Zeit aus dem Bett jagen, zollen ihren Tribut.

    Wenn ich noch im Herbst fertig werde, bleibe ich unter drei Jahren für Buch #2. Verglichen mit Buch #1, das nach einem Jahr fertig war …

    Man muss sich halt im Klaren sein, dass man Ende sehr wenig Freizeit übrig bleibt. Das muss einem das Gefühl der Genugtuung wert sein. Sonst geht es nicht.

    • Effi Lind

      April 23 20:46

      Das stimmt, man muss etwas vom Sozialleben opfern und sich Zeit bewusst freihalten. Aber ich finde, es zehrt auf Dauer an der Essenz, immerfort zu arbeiten und danach noch zu schreiben.

      Kein Wunder, dass früher vor allem Adelige Schriftsteller waren. 😛 So würde es sich gut
      leben.

  3. Svetlana

    April 25 0:09

    Ein wunderbarer Artikel, und in der Tat ist es notwendig, den Plan in allem zu befolgen. Aber das Schönste ist, dass ich alles verstanden habe! OHNE WÖRTERBUCH

    • Effi Lind

      April 25 20:35

      Danke, liebe Svetlana :D.
      Es freut mich, dass du meine Posts liest und verstehst.
      Alles Liebe von Effi <3

  4. Alexander Greiner

    April 25 8:00

    Ich gebe dir absolut recht. Für mich war und ist das Autorenleben durch eine Auszeit möglich, die ich mir selbst gegeben habe. Zu allem Glück kann ich sagen, dass ich ein bisschen Erspartes habe, das ich jetzt aufbrauche. Das war aber auch ein Prozess, denn anfangs fiel es mir schwer, wenn ich sah, dass das Geld am Konto laufend weniger wird. Mittlerweile macht es mir nichts mehr, ich habe damit abgeschlossen und genieße die Zeit, die ich jetzt auf diese Weise leben kann: täglich Schreiben, Schreibseminare besuchen, auf Buchpräsentationen gehen, Schreibtreffen veranstalten und mit anderen Schriftstellern vernetzen. Und ich denke nicht an die Zeit, wenn das Geld aufgebraucht ist, und ich wieder einen Brotjob brauche. Denn die wird höchstwahrscheinlich bald wieder kommen.

    • Effi Lind

      April 25 20:38

      Hast du die Ambition, vom Schreiben leben zu können oder ist es für dich in Ordnung, immer wieder einem Brotberuf nachzugehen?

      Deine Auszeit, wie du sie beschreibst, klingt für mich wie das Paradies. 🙂

    • Alexander Greiner

      April 26 22:58

      Sie ist in der Tat ein Paradies. Ich fühle mich wie in einer komplett anderen Welt. Aus diesem Grund habe ich Ambition, vom Schreiben leben zu können.

      Aber ich mache mir keine Illusionen, denn das ist sauschwer. Wenn es irgendwann darauf hinausläuft, dass ich wieder einen Brotberuf habe, kann ich auf eine tolle Intensivschreibzeit und das verinnerlichte Lebensgefühl zurückblicken.

      Alles Liebe aus Wien
      Alex

  5. Lucas Kristan

    April 25 12:37

    Super Artikel, irgendwie denk ich immer, dass es nur mir so geht. Disziplin zu haben ist sehr hart vor allem wenn einem nichts einfällt. Und wenn dann der Schlendrian Einzug hält bleibt das Schreiben komplett aus … bis man sich wieder irgendwann dazusetzt und feststellen muss, dass man keine Beziehung mehr zu dem Romanfragment hat. Das fühlt sich dann immer so an als müsste man schreiben neu lernen.

    • Effi Lind

      April 25 20:41

      Danke, Lucas. 🙂 Das kenne ich. Auch meinem Laptop dämmern mindestens drei solcher Fragmente vor sich hin, wahrscheinlich für immer. Deswegen ist es mir wichtig, bei meinem jetzigen Projekt dranzubleiben.

      Lustigerweise ist das Schreiben nicht nur schwer, wenn man zu wenig Zeit hat, sondern auch bei zu viel Freizeit. 😛 Man kommt um die Disziplin nicht herum.

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

best life hacks picturing a girl typing on a typewriter
%d Bloggern gefällt das: