Wabi Sabi – die Wortgärtnerin setzt den ersten Samen

Im Wortgarten pflanze und kultiviere ich seltene und außergewöhnliche Wörter, die mir Menschen oder Bücher bisher geschenkt haben. Im Gespräch mit Freunden hat mich oft selbst überrascht, wie viele Geschichten in den Wörtern stecken, aus denen wir dann wiederum Geschichten schreiben. Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee, einen Wortgarten anzulegen. Zur eigenen Inspiration und, um den Wörtern wieder den Raum zu geben, den sie verdienen.

Wabi Sabi – Das Design der Wehmut

Hinter diesem japanischen Begriff steht eine Empfindung, die wir auch in Europa kennen. Selbst wenn es zumindest im Deutschen kein genaues Wort dafür gibt. Wehmut kommt dem am nächsten. 

Wenn etwas zerbrochen, zerstört ist oder in  irgendeiner Weise seine Vollkommenheit verloren hat, tendieren wir dazu, besagtes Objekt zu entsorgen. Der Stil des Wabi Sabi besteht darin, genau diesen kaputten Dingen ihre Würde zurückzugeben. Das letzte Leuchten im Abschied – das fängt Wabi Sabi ein. Es ist eine Schönheit, die der Versehrtheit entspringt. Bittersüß. Wehmütig, in diesen Arrangements schwebt immer die Gewissheit der eigenen Unvollkommenheit und des kommenden Todes mit. Im gewissen Sinne sind wir alle der Ästhetik des Wabi Sabi unterworfen. Der Verfall ist eine Realität für uns Menschen, die für viele schwer zu ertragen ist. Wabi Sabi trainiert das Auge darauf, die Schönheit in der Zerbrechlichkeit und der Zersetzung zu sehen.

Wabi Sabi

Das Wabi Sabi der Gefühle

Ich finde, der Begriff Wabi Sabi lässt sich nicht nur auf Menschen und Objekte anwenden, sondern auch auf Beziehungen. Es gibt Momente im Leben, wo zwei Freunde spüren, dass ihr gemeinsamer Weg zu Ende ist. Sie sprechen es nicht aus, es stehen weder Wut noch Streit zwischen ihnen. Aber das Wissen, dass ihre Freundschaft im Vergehen begriffen ist, zeichnet sich in ihren Gesichtern ab. Die letzte Zeit, die beide zusammen als Freunde verbringen, ist durchwirkt mit dem Nektar der Wehmut. Es ist das letzte Aufleuchten einer Beziehung.In Zukunft werden sie an einander mit warmen Gefühlen zurückdenken und sagen: Ich weiß nicht warum, aber es hat so gepasst. Die ganze Freundschaft und die „einvernehmliche Trennung.“

Wabi Sabi

Eine perfekte Verkörperung des Wabi Sabi sind nach meiner Interpretation Ex-Partner. Ihr Anblick, oder lediglich ein Gedanke an sie, reicht, um das wehmütige Gefühl eines vergangenen Lebens heraufzubeschwören. Da der andere aber noch da ist (zumindest in Gedanken), ist auch die Beziehung nie ganz erloschen. Sie bleibt im Schwebezustand des Wabi Sabi, bis selbst die Gedanken daran vergehen (im eigenen Tod). Der Ex-Partner wird bis dahin zum wandelnden Wabi-Sabi-Objekt. In dieser Erinnerung liegt trotz jeder Schwere immer auch ein Funken Schönheit. Genau in diesem Funken spiegelt sich der Reiz des Verfallenen und Vergangenen.

 

Eure Wortgärtnerin

Effi Lind

 

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