In letzter Zeit habe ich bemerkt, wie viele Ängste ich mit mir herumtrage. Vor allem die Angst davor, dass mein Leben vorbei geht und ich gar nichts auf die Reihe bringe. Wieso will ich überhaupt Romane schreiben und nicht einfach „normal sein“ und einer regelmäßigen Arbeit nachgehen? Ich will eben nicht. Angst hin oder her, daran lässt sich nichts drehen.

Vom Schreiben leben? 

Trotzdem frage ich mich, woher diese Ängste kommen. Leiden darunter alle Menschen, die vom Schreiben leben wollen? Dann denke ich an Schriftsteller wie J.K. Rowling, die als alleinerziehende Mutter von staatlicher Unterstützung lebte, bevor Harry Potter sie reich machte. Ich denke an Kafka, der im ständigen Zweifel war, ob seine Werke gut genug seien und deswegen in seinem Testament hinterließ, dass alles zerstört werden müsse, was er an schriftstellerischem Material zurückließ. Immer wenn ich solche Anekdoten über Kafka gelesen habe, fragte ich mich: Wie kam dieser geniale Autor auf die Idee, an sich zu zweifeln? Wenn jemand so schreibt, wieso zweifelt er dann noch an irgendetwas auf der Welt?

Die Wurzel der Unsicherheit [eine kleine Ablenkung]

Wahrscheinlich, weil die Angst, aus der dieser Zweifel entspringt, nicht vom Schreiben kommt, sondern von der eigenen Art mit der Welt umzugehen. Was wiederum viel mit Erziehung zu tun hat. Plötzlich machen Kafkas Selbstzweifel Sinn, wenn man seine Biographie heranzieht. Plötzlich macht es für auch mich Sinn, dass beinahe jeder Schreibende diesen Ängsten ausgesetzt ist. Denn was lernen wir so gut wie alle von unseren Eltern oder in der Schule? Du musst dich anpassen und Geld verdienen! Das sind zwei große Maximen in einem Satz und beide treffen nicht unbedingt auf einen (angehenden) Schriftsteller zu. Denn Geld verdienen kann man mit dem Schreiben nicht – so hört man es zumindest von allen Seiten. Es sei denn, man ist ein Wunder wie die Mutter von Harry Potter oder der Vater vom Herrn der Ringe.

Existenzängste gehören zum Schriftsteller-Dasein schon immer dazu. Sogar in der Literatur kommen Schriftsteller meistens nicht gut weg, ich habe die Figur des Autors als den, der sich immer Geld leiht, im Kopf oder den, der regelmäßig besoffen in der Gosse liegt. (Dabei denke ich wahrscheinlich an Joseph Roths Romane.) Gibt es auch positive Stereotypen von Autoren? Immerhin fällt mir eine positive Eigenschaft ein: intellektuell. Wobei das vielleicht heutzutage auch als Schimpfwort gelten kann.

 

Selbstzweifel beim Schreiben und unser Literaturverständnis

Jetzt habe ich genug abgelenkt von mir. Mich plagen die Ängste, niemals ein gutes Buch zu veröffentlichen und an manchen Tagen sogar der Zweifel, ob ich auf höherem Niveau schreibe als ein Volkschulkind. Ich glaube, dass es sehr vielen Schreibenden immer wieder so geht. Und ja, ich glaube, ich weiß auch woran das liegen könnte.

Daran, dass das Schreiben im deutschsprachigen Raum so verklärt wurde und immer noch wird. Als genialer Akt, der nur wenigen Auserwählten gegeben ist. Am besten versuchst du dich gar nicht daran. Wenn du es wagst etwas zu schreiben, wirst du von der Kritik zerstört, weil du nicht zu Kafka und Co. gehörst. Du gehörst doch zum „ungenialen“ Pöbel. [Ha ha ha] Ist euch schon mal aufgefallen, dass es in Amerika die Trennung zwischen „hoher Literatur“ und „trivialer Literatur“ nicht in diesem Sinne gibt wie im deutschsprachigen Raum? Die glücklichen amerikanischen Autoren, sie müssen sich nicht entscheiden, ob sie trivial schreiben wollen, also unbedeutende, wertlose und bald zu vergessende Werke. Oder „literarisch“ – einzigartig, genial und Generationen überdauernd. Das wäre ja auch eine sehr engstirnige Haltung, oder?

Wisst ihr was? Ich schreibe ab jetzt nur noch auf Englisch. [Kopfschütteln]

Gebt euren Senf dazu, wenn euch dieses Thema auch auf dem Herzen liegt und euch ab und zu die Selbstzweifel beim Schreiben quälen.

Effi Lind

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2 Comments

  1. Dietrich Urich-Kayser Reply

    Nicht zu vergessen die Darstellung erfolgloser Schriftsteller in Filmen, wo sie dauernd ein Blatt aus der Maschine ziehen, zusammenknüllen und in Richtung Papierkorb werfen. Selbstzweifel und Erfolglosigkeit lassen sich heute gar nicht mehr so schön klischeehaft darstellen, weil sie viel zu verbreitet – um nicht zu sagen generalisiert – sind.

    • Effi Lind Reply

      Stimmt, daran habe ich gar nicht gedacht. Aber unbewusst spielen diese Darstellungen sicher eine Rolle. Das ist schon so ein Klischee 😀 und auch mehr ein Symbol. Welcher Schriftsteller zerknüllt wirklich dauernd Blätter und wirft sie in den Papierkorb?

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