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Schreibinputs

#Schreibinputs: Finde deine Schreibroutine

Autoren sollten stehend an einem Pult schreiben. Dann würden ihnen ganz von selbst kurze Sätze einfallen.

Ernest Hemingway (1899-1961)

 

Mit diesem Zitat will ich nicht sagen, dass es notwendig ist, sich für das Schreiben ein Stehpult anzuschaffen. Es geht vielmehr um die Wirkung, die der Ort auf das Geschriebene ausübt. Denn wo du schreibst hat sehr wohl einen Einfluss darauf, wie leicht es dir von der Hand geht. Damit wären wir indirekt schon beim Thema der #Schreibinputs Nr. 1.

Die Schreibroutine

Ich spreche von einer Schreibroutine, weil die Grundlage dafür, besser zu schreiben, in der Regelmäßigkeit liegt. Wer nicht schreibt, wird niemals eine Kurzgeschichte, einen Roman etc. vollenden und mit dem Ergebnis zufrieden sein. Wie bei allen Gewohnheiten, die man noch nicht hat, ist es anfangs schwer, diese in den Alltag einzubauen. Dann fühlt sich alles einfacher an als zu schreiben: eine Zigarette rauchen, essen, Computer spielen oder Schreibtipps online lesen ;). Um das Schreiben zu einer (am besten) täglichen Gewohnheit zu machen, gibt es einige Tricks, die ich selbst anwende.

Schreibroutine

Eine Tasse Kaffee und eine Kerze als Accessoires für die Schreibroutine.

1. Ein Ritual daraus machen

Ich schreibe gerne morgens, allerdings fällt es mir oft schwer, mich in die Stimmung der Schreibsituation zu versetzen. Mein Trick ist es, eine Kerze anzuzünden. Eine brennende Kerze gibt mir das Gefühl von Langsamkeit, innerer Ruhe und gleichzeitig ist sie für mich ein offizieller Startschuss zum Schreiben. Das Anzünden der Kerze fungiert für mich als Trennung zu meinem bisherigen Morgen. Als Ritual eignet sich also alles, das die Schreibzeit als abgetrennt vom restlichen Tagesgeschehen markiert und dich in einen besonderen Gefühlszustand versetzt. Je nach dem ob du auditiv, visuell oder kinästhetisch veranlagt bist, funktioniert für dich vielleicht ein Lied, ein bestimmter Ort, ein best. Getränk oder eine Handlung.

 

2. Aufwärmen

Um nicht vor einer leeren Seite zu sitzen oder „kalt“ an einem längeren Text weiter zu schreiben, mache ich gerne ein Warm-up. Am liebsten benutze ich zwei Methoden, um mich einzustimmen: die Morgenseite oder mein (Traum-)Tagebuch.

(Traum)-Tagebuch: Deine Erfahrungen und Träume morgens oder abends in ein Tagebuch zu schreiben, kann dich auf deine Geschichte einstimmen. Wenn du einmal angefangen hast, schreiben deine Finger wie von selbst weiter.

Morgenseiten: Nimm dir 1-2 Blatt Papier, darauf schreibst du, sobald du aufgestanden bist. Am besten ist es, wenn du noch nicht ganz wach bist und dein Kopf sich noch nicht mit Gedanken gefüllt hat. Du kannst einen Timer setzen oder einfach die Seiten füllen. Schreib alles, was dir einfällt, ganz ohne Zensur. Es müssen nicht einmal Sätze sein oder Worte, die es gibt. Lass alles ungefiltert raus. Vielleicht findest du darin später neue Ideen, ansonsten kommst du zumindest in einen Schreibfluss.

 

3. Lege dir im Vorhinein zurecht, woran du arbeiten willst

Damit du nicht vor dem leeren Blatt Papier sitzt und dich überwältigt fühlst, ist es hilfreich, sich bereits am Tag zuvor zurechtzulegen, an welcher Szene du schreiben willst. Wenn du willst, kannst du dir sogar schon den ersten Satz aufschreiben. So gehst du sicher, dass du wirklich zum Schreiben kommst und nicht aufgibst, weil du keinen Einstieg findest. Arbeitest du an einem längeren Text, empfiehlt es sich, an einer Stelle aufzuhören, wo du bereits weiter weißt. So kannst du am nächsten Tag gut daran anschließen.

 

4. Finde das Schreibwerkzeug, das zu dir passt

Du musst nicht wie Peter Handke beschwören, nur noch mit dem Bleistift zu schreiben. Aber es lohnt sich, Alternativen zum Computer in Betracht zu ziehen. Wenn du am PC schreibst, verlierst du leicht die Konzentration, lässt dich von den Weiten des Internet ablenken oder beginnst vielleicht, durch Facebook zu scrollen. Ein Bleistift oder Kugelschreiber lässt dich tief in deinen Schreibprozess eintauchen, du kannst außerdem später deine erste Fassung überarbeiten und siehst trotzdem noch, was du anfangs geschrieben hast. Wer’s retro mag, kann sich an einer Schreibmaschine probieren. Ich schreibe selbst am liebsten mit dem Bleistift oder meiner neuen, alten Schreibmaschine. Das haptische Gefühl erweitert die Erfahrung des Schreibens um eine Dimension, die ich nicht missen möchte.

 

Zu guter Letzt:

Regelmäßigkeit. Regelmäßigkeit. Regelmäßigkeit.

Ich kenne es von mir selbst, manchmal ist es wirklich schwer, die Finger in Bewegung zu bringen, damit einige Sätze auf dem Papier landen. Keine Ideen, keine Lust, keine Zeit …

Dabei hilft nur Überwindung, Gewohnheit und die Schreibroutine. Denn  es ist genug, um die Übung aufrechtzuerhalten, wenn du deine Morgenseiten schreibst. Hauptsache, du schreibst.

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