Der Autor, sein Schreibtisch und eine Flasche Whiskey – muss das sein?

Ich nehme an, die meisten Leute haben genauso wie ich ein stereotypes Bild eines Autors im Kopf. Das könnte direkt aus der Serie Californication stammen. Protagonist Hank Moody leidet unter einer dauerhaften Schreibblockade. Wenn es dann plötzlich fließt, sitzt er nachts am Schreibtisch und trinkt zu viel Whiskey – alleine. 

Alleine schreibt es sich oft gut, doch manchmal fehlt etwas …

Schreiben fühlt sich immer wieder einsam an. Alleine am Schreibtisch verzweifle ich schnell, wenn mir plötzlich vorkommt, dass alle meine Ideen Blödsinn sind. Dass es meine Geschichte schon in tausendfacher Ausführung gibt oder dass meine Charaktere gesichtslose Langweiler sind.

Zweifel kommen eben. Für viele Menschen, die davon träumen, ihren eigenen Roman zu schreiben, bedeuten sie das Ende der Reise. Zugegeben, es ist nicht leicht, diese innere Stimme auszuschalten und trotzdem weiterzumachen. Oft hilft ein Ritual oder die Aufzucht einer zweiten inneren Stimme, die Gegenargumente findet.

Es gibt  auch andere Wege. Einen davon gehe ich öfters: Das Schreiben zu zweit.

Schon oft habe ich gehört, dass man nur alleine schreiben kann, weil man dem Text sonst die unterschiedlichen Autoren ansieht und die einzelnen Teile nicht zusammenpassen. Aber wenn man mehrstimmig singen kann, warum dann nicht auch schreiben? Es gibt viele Möglichkeiten, so ein Schreibprojekt zu zweit zu organisieren. Bereits in der Schule habe ich mit einer Freundin Fanfictions geschrieben. Damals haben wir jeweils eine Seite abwechselnd verfasst. Zugegeben, das Ergebnis war recht widerspenstig, weil wir beide immer in verschiedene Richtungen strebten und unsere Stile sich natürlich unterschieden.

Mittlerweile bin ich wieder zum zweisamen Schreiben zurückgekehrt, in veränderter Form. Momentan schreibe ich mit zwei Freunden folgendermaßen. Die Geschichte denken wir uns zusammen aus, dann beginnen wir zu schreiben. Ich schreibe und mein Gegenüber spricht so wie die Figur in dem Text an der Stelle sprechen würde. Ich schreibe das teilweise wortwörtlich nieder, teilweise baue ich eigene Sätze und Perspektiven ein. Den Text tippe aber nur ich und ich vereinheitliche den Stil. Allerdings ist das dann nicht rein mein eigener Stil, sondern ein dritter. Eine gute Mischung, die aber trotzdem einheitlich wirkt.

Ich liebe diese Form des Schreibens, weil es mir leichter fällt. Zu zweit fällt uns immer etwas ein, was die Geschichte gerade braucht. Die Situation ist dynamischer, sodass kaum festgefahrene Stellen entstehen, wo einer von uns aufgeben will. Selbst wenn, zu zweit gibt man nicht so schnell auf. Es ist eine wunderschöne Erfahrung, etwas gemeinsam zu schaffen. Es schweißt zusammen und vor allem, es macht Spaß.

Gemeinsam und alleine schreiben – am besten beides

Natürlich  habe ich mein eigenes Projekt, an dem ich alleine arbeite, und das möchte ich auch nicht ändern. Aber ich muss zugeben, dass es für mich oft einfacher ist, zu zweit zu schreiben. Vielleicht weil man als Team die Sache nicht so verbissen sieht und offener wird, neue Zugänge zur Geschichte zu entdecken.

Ein Gehirn schreibt eben nicht immer besser als zwei und das Schreiben muss keine einsame Tätigkeit sein. Ich kann diese Arbeitsweise jedem empfehlen, der mit zu vielen Zweifeln kämpft, oder sich alleine fühlt am Schreibtisch. Der Partner muss natürlich passen, also am besten mit einer Kurzgeschichte anfangen und sehen, ob es funktioniert.

Viel Spaß beim Team-Schreiben!

Effi Lind

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2 Comments

  1. Ich praktiziere das gemeinsame Schreiben als Nebeneinander-Schreiben bei meinen Schreibvormittagen. Wir treffen uns bei mir in der Wohnung, jeder arbeitet an seinem eigenen Projekt und in den Pausen reflektieren wir darüber oder es gibt einfach nur banalen Smalltalk.

    Finde aber deine experimentelle Herangehensweise auch witzig. Vielleicht wäre https://skribi.io etwas für dich. Der Entwickler der Website für Fortsetzungsgeschichten wollte mich letztens auf Twitter dafür animieren.

    Alles Liebe aus Wien

    • Effi Lind Reply

      Das klingt super! Das sollte ich in Graz einführen. Ich finde die Anwesenheit anderer Schreibender schon für sich inspirierend.

      Danke für den Tipp, ich probiere gerne neue Software aus. Ich werde es mir mal ansehen. 🙂

      Liebe Grüße aus Graz.

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