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Arbeit gegen Geld

Die Gehaltsverhandlungen für dieses Jahr sind abgeschlossen. Der Wert unserer Arbeit ist festgelegt, damit auch unsere finanziellen Möglichkeiten in der Gesellschaft.

Und, wie viel bist du wert?

Oder besser gefragt: Kann uns jemand ausreichend für unsere Lebenszeit bezahlen? 7,50 die Stunde oder 50 Euro. Im Endeffekt wirkt diese Kompensation mickrig, denn wer weiß schon, ob ihm/ihr noch Tage, Wochen, Jahre oder Jahrzehnte bleiben? Für 10 Euro die Stunde 100 Mal auf die Uhr linsen, sich viermal auf die Toilette schleichen und das Gesicht in den Händen vergraben.

Das ist es nicht wert. Niemand kann uns angemessen für eine Arbeit bezahlen, die nicht selbst schon die Bezahlung ist. Es bleibt ein Gefühl von Zeitdiebstahl und Sklaventum in diesem System. Ist das die Schuld der Arbeitgeber? Nicht unbedingt. Teil eines Unternehmens zu sein kann erfüllen und inspirieren. Im Team zu arbeiten ist inspirierend, wenn alle sich als Teil einer gemeinsamen Vision wahrnehmen. Allerdings … auf wie viele Arbeitnehmer trifft das zu?

Das Mantra Ich liebe meinen Job, Ich liebe meinen Job fühlt sich per se falsch an. Wozu braucht man es, wenn man seinen Arbeit tatsächlich liebt? Eine positive Lebenseinstellung macht das Leben einfacher, aber warum muss man sich gut zureden (wie einem alten, schwachen Pferd), weiter in einer Position zu arbeiten, in der man sich ausgeraubt fühlt, bis man seine Farbe verloren hat?

Weil es Angst macht, Verantwortung für die eigene Lebenszeit zu übernehmen. So viele Gefühle, die wir in uns plötzlich wahrnehmen müssen und vor allem die Frage „Was will ich eigentlich?“. Mehr als eine Minimalexistenz, wo ich monatlich gefüttert werde und mir nicht genug Zeit bleibt, um mit meinem Inneren in Kontakt zu treten.

Arbeiten kann man für Geld – schaffen nicht. Denn man schafft aus sich selbst heraus um des Schaffens Willen. Wer nach Erfüllung sucht im Leben, muss vorbei an den Türhütern, die oft quälende Fragen stellen. Schlussendlich sind es aber genau diese Fragen „Was will ich?“ und „Was erfüllt meine Zeit mit Wert und Leidenschaft?“, die uns aus dem Sumpf der Arbeit ziehen und zu einem Leben voller Schaffenskraft führen.

9 Comments
  1. Ignotus W. James

    Januar 31 0:42

    Du sagtest, ich würde so viele Fragen aufwerfen. Wenn du willst, dann frag mich doch einfach 🙂

    • Effi Lind

      Januar 31 7:24

      Vielleicht will ich die Antworten gar nicht wissen (zumindest was die Texte angeht), weil ich die Leerstellen mag. Sie regen meine Fantasie an.

  2. Ignotus W. James

    Januar 31 10:22

    Dann hoffe ich die Vorstellung sagt Ihnen zu
    (verneigt sich höflich) 🙂

    • Effi Lind

      Januar 31 11:31

      Durchaus. 🙂 Wobei du gerne mehr über dich verraten dürftest.

    • Ignotus W. James

      Januar 31 12:26

      Vielleicht werde ich das irgendwann, obwohl du sehr viel aus den Geschichten schon herauslesen kannst, da sehr viel davon mit mir zu tun hat 🙂

  3. Gunther Sosna

    Februar 12 9:48

    Eine elegante und wahrhaftige Skizze der Sinnlosigkeit der Verknüpfung von Schaffenskraft und Entgelt zur Erwerbsarbeit im Angesicht der Endlichkeit des Daseins. Und die Enttarnung einer nicht nicht existierenden menschlichen Emanzipation – im bedeutsamen Sinne einer Befreiung von Abhängigkeit und Sklaverei. Sehr lesenswert …

    • Effi Lind

      Februar 12 9:53

      Danke für diesen geschliffenen Kommentar. Es wäre aufregend, wenn dieser Gedanke bei einem Großteil der Gesellschaft aufkommen würde.

  4. Janine

    November 29 15:43

    Mich macht es traurig, das ich meine begrenzte Lebenszeit gegen Geld eintauschen muss… Da hätte ich auch schon wieder eine Blogeintrag Idee für meinen Blog, danke für die Inspiration.

    Ich versuche mir etwas aufzubauen, wo ich frei über meine Zeit verfügen kann, aber auch das ist nicht leicht, die meisten Menschen möchten das nicht. Es ist halt so, dass das Arbeiten, das ist was wir kennen, wonach wir erzogen werden das ist was normal ist und was so gehört. Ich wirke jetzt ein wenig rebellisch und niemand hat Interesse sich ein Team für eine unabhängigere Zukunft aufzubauen. Mich macht das Thema Rente immer leicht depressiv. Da arbeite ich mein Leben lang und opfere meine Zeit um dann am Ende in Altersarmut zu verfallen – dabei dachte ich immer Schneeballsysteme seien verboten.

    Danke für deinen tollen Beitrag und die Inspiration!

    • Effi Lind

      Dezember 1 10:47

      Genau aus diesem Gedanken heraus habe ich den Text geschrieben. Es ist ein frustrierendes Thema, aber ich bin überzeugt, es lassen sich Alternativen finden.

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